Ich unterscheide nicht zwischen Kunst & Künstler

Ich höre (und lese) in letzter Zeit (in Zusammenhang mit Belästigungen, Vergewaltigungen, grob gesagt #MeToo) vermehrt den Satz “Man muss auch zwischen Künstler und Kunst unterscheiden.” – Ich persönlich kann das nicht. Grob zusammengefasst kann man wohl sagen: Ich möchte mir keine Kunst von Arschlöchern anschauen. Sorry. Das hat bei mir nicht einmal etwas mit “Unterstützung” zu tun. Menschen wie Louis C.K. und Kevin Spacey werden wohl nicht davon in den Ruin getrieben, dass ich nun keine Blurays mehr kaufe (mache ich sowieso nicht, aber das ist ein anderes Thema).

Bleiben wir beim Beispiel Louis C.K… Kurz bevor ich seine “Ich hole mir gerne vor Frauen einen runter, die keinen Bock drauf haben” Story gehört habe, hatte ich mir sein Special auf Netflix angesehen. Und es – wie so viele Shows von ihm – verschlungen und für großartig befunden. Louis C.K. ist schon immer bekannt für extremen Humor, bei dem man oft kopfschüttelnd vor dem Bildschirm sitzt und sich fragt “ist das noch lustig?”. Meine Antwort war meist “Ja, ist es!”. Im Nachhinein ist das alles nun sehr anders. Nicht nur weil bei ihm die Grenzen zwischen dem Comedian und der Privatperson zu verschmelzen scheinen. Louis C.K. ist ein extremes Beispiel und hier werden mir viele zustimmen, weil Künstler und Privatmensch offenbar sehr nah beieinander liegen. Viele behaupten “War doch klar! Was der immer erzählt hat, der kann sie ja nicht alle haben!” – was allerdings wenig zielführend ist.

Ich persönlich schaue mir zum Beispiel schon seit Jahren keine Filme mehr mit John Travolta und Tom Cruise an, weil sie Scientology unterstützen. Und somit keinerlei Unterstützung mehr verdient hätten. Aber auch hier ist es nicht nur die Unterstützung. Sehe ich diese Schauspieler in einem Film und weiß ich, dass Regisseure und Produzenten mit ihnen zusammengearbeitet haben, vergeht mir einfach die Lust. Der beste Film und die beste Serie macht mir einfach keinen Spaß mehr und ich möchte das alles nicht mehr sehen.

Ich behaupte ja nicht, dass ich alles richtig mache. Ich habe aber für mich entschieden, dass ich weder alte, noch neue Filme mit solchen Menschen sehen will. Und für mich gibt’s da auch kein Zurück. Ich lese häufig “wenn er sich entschuldigt oder Gras drüber gewachsen ist, gucke ich wieder etwas von denen”. Aber für die Opfer solcher Dinge wächst da eben kein Gras drüber. Zugegeben: in den meisten Fällen ist mir die Kunst wohl auch zu egal. Ich verdrücke keine Tränen, wenn Hollywood-Größen sich verabschieden oder Remakes “meine Filme von früher” kaputt machen. Mir ist es egal, wer in welchem Film Regie führt und wenn der neue Star Wars Film Schrott ist, schaue ich eben stattdessen 23 Serien. Ich bin kein Sammler und nutze eigentlich größtenteils Netflix, weil ich Kinos ätzend finde. Ich glaube aber eigentlich nicht, dass das viel damit zu tun hat. Louis C.K. hat mir gezeigt, dass mein Fanboytum definitiv eine Grenze hat. Und die heißt meistens: Arschlöcher sind halt scheiße.

 

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