Gaming macht Spaß. Gamer nicht.

Im Zuge des (hervorragenden, langen und wichtigen) Artikels von Jason Schreier auf Kotaku hatte ich auf Twitter etwas geschrieben, das ich nun hier noch einmal etwas geordneter zusammenfassen möchte.

Ich habe schon öfter – in letzter Zeit am Beispiel von The Division 2 – erwähnt, wie schön Spiele sein können. Und wieviel Spaß ich noch immer am Spielen haben kann. Hier könnte ich noch einige Titel nennen, in erster Linie etliche Indie-Games, die mit fantastischem Storytelling und abgedrehten Mechaniken arbeiten. Ich spiele nicht nur seit 30 Jahren, weil ich ein bisschen Spaß daran habe. Ich tauche gerne in Welten ab, liebe Details und Stories in Videospielen.

Ich habe in der Branche gearbeitet, verfolge viele News, höre Podcasts, schaue mir Videos an und mir ist egal, ob ich dadurch jetzt “richtiger Gamer” bin, weil ich einfach Spaß haben möchte. Gaming ist mein (Haupt-)Hobby. Ob ich’s kann oder nicht ist mir dabei ziemlich egal. Meine Frusttoleranz ist sehr gering und ich spiele oft noch nicht mal bis zu den Credits. Was aber nicht heißt, dass ich die Arbeit der Entwickler nicht wertschätzen kann, selbst wenn mich ein Titel frustriert oder mir nicht mal wirklich gefällt.

Was mir in letzter Zeit vermehrt auffällt, ist dass das sehr viele Leute nicht mehr tun. Weder die Arbeitgeber der Menschen, die Spiele erschaffen, noch die Presse und erst recht nicht die “richtigen Gamer”.

Das fängt da an, dass Menschen Morddrohungen bekommen, wenn Spiele später kommen, als angekündigt. Das geht weiter über Downgrades bei Grafik, über die sich Leute so sehr aufregen, anstatt vielleicht mal zu überlegen, wie es zu so etwas kommen kann. Vielleicht macht das Spiel ja sogar trotzdem Spaß, weil Grafik nicht alles ist? Vielleicht haben da Leute, die immer mehr Umsatz möchten, ihren Finger drauf und trotz einer schlechten Game Engine muss “das jetzt schnell fertig werden”? Kaum jemand denkt mehr an die Menschen dahinter. Menschen, die bei Anthem (welches ich selbst recht doof finde, wenn auch der Ansatz in Ordnung ist) weinend in Abstellkammern sitzen, monatelang schuften und dann fast umfallen. Das betrifft natürlich nicht nur die Games-Branche. Aber gerade dort fällt es mir extrem auf, weil das Produkt an sich ja etwas schönes ist, das den Spielenden den Alltag und den damit verbundenen Mist erleichtern kann (Thema abtauchen in andere Welten, wie eingangs erwähnt). Und worüber reden die “Fans” von Spielen? Darüber, dass sie jetzt noch einen neuen Launcher installieren müssen, was ja gar nicht geht. Da wird dann das Spiel illegal geladen, um den “greedy bastards” eins auszuwischen. Das ist nicht gerade eine tolle Taktik.

Vor kurzem wurden bei Telltale etliche Menschen entlassen, weil die Firma schlichtweg pleite war. Da sitzen dann plötzlich Leute auf der Straße. Und Gamer beschweren sich sofort, dass das geplante Spiel jetzt nicht erscheint. Da gab es dann Rufe nach “wenn euch was daran liegt, macht ihr das noch fertig. Ohne Geld.” – Klar. So läuft das in einer Marktwirtschaft. Die sind euch etwas schuldig. Scheiß drauf, ob sie dafür Geld bekommen. What. The. Fuck. Achtung, Brainfuck: Entwickler sind Menschen! Wow?! Voll die Überraschung, ich weiß!

Niemand setzt sich hin und macht absichtlich ein Scheißspiel. Fallout 76 finde ich auch kacke. Aber niemand, der da ernsthaft dran gearbeitet hat, wird richtig stolz auf das Ergebnis sein. Das musste halt schnell raus, damit Aktionäre und überbezahlte Chefs zufrieden sind. Abgesehen davon war’s trotzdem mehr Arbeit, als wir denken mögen. Ich meckere doch auch gerne über schlechte Spiele. Umso mehr freue ich mich über tolle Indie-Games, tolle Geschichten und neue Ideen in AAA Titeln und darüber, mal keine Horrornachrichten lesen zu müssen, weil wieder einmal alle Mitarbeiter krank geworden sind, damit wir früher spielen dürfen.

Gerade bei Indie-Titeln sieht’s mit der Menge an Arbeit nicht anders aus, da steckt erst recht sehr viel davon drin. Meist wird dort noch mehr geschuftet, weil es um die Existenz von Studios und Menschen geht. Und dann wird vom Gamer ein Meisterwerk wie Firewatch zurückgegeben, nachdem es durchgespielt ist, weil’s “zu kurz war”. Oder es gibt halt einen Stern, weil der Store von Epic halt doof ist und man ja nicht noch einen Launcher installieren will. Ernsthaft, man kann’s auch übertreiben. Und dieses “man ist kein richtiger Gamer, wenn…” Geschwätz: Who the fuck cares?! Spielt doch einfach, um Spaß zu haben. Und wenn ihr keinen Spaß mehr dran habt, weil Spiele für euch nicht gut genug aussehen, keine 60 Frames 4K 1080 Bla haben, man plötzlich als Frau spielen kann, dann hört auf zu spielen. Lasst uns unseren Spaß und denkt daran, dass hinter jedem Spiel etliche Stunden Arbeit und viele Menschen stecken, die auch alle nur eins wollen: irgendwie Miete zahlen und überleben.

Basti Verfasst von: